Ein großer Ichthyosaurier aus dem Pliensbachium von Bielefeld

Hungerbühler, A. & Sachs, S. (1996) Ein großer Ichthyosaurier aus dem Pliensbachium von Bielefeld – Neue Einblicke in die Ichthyosaurier des Mittleren Lias und das Gebiß von Temnodontosaurus. Bericht des naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend 37: 15-52.

Wir beschreiben hier das fragmentäre Skelett eines Ichthyosauriers von geschätzten acht Meter Länge aus dem Unteren Pliensbachium (davoei-Zone) von Bielefeld. Nach der Größe, massiven Schnauze, straken Bezahnung und weiterer Schädelmerkmale wird das Tier der Gattung Temnodontosaurus zugeordnet. Das Stück ist artlich nicht bestimmbar. Eine kritische Überprüfung der bisher beschriebenen Ichthyosauriertaxa erbibt, daß im mittleren Lias von Europa die Gattungen Leptonectes, Temnodontosaurus und Stenopterygius vorkommen. „Leptopterygiusnuertingensis v. HUENE, 1931, wird hier als einzige valide Art im Pliensbachium eingestuft, deren generische Zuordnung allerdings neu untersucht werden muß. Leptopterygius margaritatus v. HUENE, 1922 wird als Temnodontosaurus sp. angesehen und ein Lectotyp bestimmt. Wir geben weiterhin eine Übersicht der Taxonomie und Paläobiogeographie unterjurassischer Ichthyosaurier. Daraus läßt sich eine Tendenz zu verstärktem Provinzialismus der Ichthyosaurierfaunen im Laufe des Lias ableiten. Der Bielefelder Temnodontosaurus zeigt, daß zwischen den unter- und oberliassischen Temnodontosauriern eine geographische und zeitliche Kontinuität besteht. Wir postulieren, daß sich aus einfachen Kegelzähnen in der Ontogenese von Temnodontosaurus platyodon (CONYBEARE, 1822), T. eurycephalus Mc Gowan , 1974 und T. burgundiae (Gaudry , 1896) eine Bezahnung mit Schneidekanten entwickelt. Das Gebiß dieser drei Arten ist in diesem Wachstumsstadium heterodont mit bi- oder tricarinaten Zahnformen im hinteren Kieferabschnitt. Der Bielefelder Schädel besitzt im Gegensatz zu den anderen Temnodontosaurus-Arten auch im Alter keine Schneidekanten an den Zähnen.
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