Sachs, S. & Hornung, J.J. (2017) Reptilienfunde aus dem Muschelkalk von Gogolin. In: Scheer, U. & Stottrop, U. (eds) Erdgeschichten. Geologie im Ruhr Museum. Verlag der Buchhandlung Walther König, Essen: 140-141.
—Das Ruhr Museum besitzt in seinen Sammlungsbeständen einige Reptilienfunde aus dem Muschelkalk von Gogolin in Oberschlesien (heute Gmina Gogolin, Polen). Zu diesen gehört das hier gezeigte Kieferfragment, das die charakteristische abgeflachte und robuste Bezahnung der Placodontier aufweist, welche der Gruppe ihren deutschen Namen Pflasterzahnsaurier einbrachte. Placodontier waren im Wasser lebende Reptilien, deren kräftige Zähne dazu dienten die Schalen ihrer Nahrung zu knacken, die wahrscheinlich aus Muscheln und Armfüßern bestand (Neenan, 2014). Die flachen „Pflasterzähne“ saßen sowohl im seitlichen Bereich der Kiefer, als auch auf dem Gaumen. Placodontier sind bisher nur aus der Triaszeit bekannt und brachten eine Reihe von verschiedenen Körperformen hervor. Einige Arten erinnern an die heutigen Galapagos-Meerechsen, andere mit ihrer Gestalt und dem Panzer aus Knochenplatten eher an Meeresschildkröten. Die meisten Placodontier wurden etwa 1 oder 2 m lang. Sie gehören in die weitere Verwandtschaft der Schuppenkriechtiere (Echsen und Schlangen), haben aber keine lebenden Verwandten mehr. Gogolin gehört zu den klassischen Fundstellen für Muschelkalkfossilien und lieferte auch schon früh Wirbeltierfossilien. So berichtete bereits Hermann von Meyer, der Vater der Wirbelpaläontologie in Deutschland, in seiner Monographie „Die Saurier des Muschelkalkes mit Rücksicht auf die Saurier aus dem bunten Sandstein und Keuper“ (Meyer, 1847-1855) von Reptilienfunden aus dem Gogoliner Raum. Später erforschten zum Beispiel Georg Gürich aus Breslau und Anton Schrammen aus Hildesheim weiteres Material (Gürich, 1884; Schrammen, 1899). Nebst Gogolin selbst sind auch andere Fundorten in Oberschlesien für Muschelkalkfossilien bekannt, so zum Beispiel Chorzów (Königshütte), Krapkowice (Krappitz), Zakrzów (Sakrau/Sacrau) oder Tarnowskie Góry (Tarnowitz).
